Pingle Shiya Cha (Pínglè shíyá chá, 平乐石崖茶) — „Tee von den Felsen“ des Kreises Pingle (平乐县) der bezirksfreien Stadt Guilin, Autonomes Gebiet Guangxi der Zhuang. Es handelt sich nicht um ein Blatt der Teepflanze Camellia sinensis: Das Schutzdokument nennt als Rohstoff 亮叶黄瑞木 (liàngyè huángruìmù) — laut Nachschlagewerken ein Baum der Gattung 杨桐属 (Adinandra); wilde Bäume wachsen den volkstümlichen Beschreibungen zufolge auf Felsen — daher der Name. Das Blatt wird dreimal geröstet und von Hand gerollt. Der Name ist seit 2014 als landwirtschaftliche geografische Angabe und seit 2025 als Produkt mit geografischer Angabe geschützt.
1. Klassifikation und Herkunft
- Typ: Kein Tee im botanischen Sinn und keine der sechs Klassen. Die Technologie ähnelt grünem Tee, aber eine Klasse nennt das Schutzdokument nicht; Websites, die das Produkt als Oolong bezeichnen, stützen sich nicht auf Standards.
- Kategorie: Aufguss aus einer Nicht-Teepflanze; landwirtschaftliche Angabe (2014) und Produkt mit geografischer Angabe (2025).
- Herkunft: China, Autonomes Gebiet Guangxi der Zhuang (广西, Guǎngxī), bezirksfreie Stadt Guilin (桂林, Guìlín), Kreis Pingle (平乐, Pínglè).
- Schutzgebiet: Laut Bekanntmachung von 2025 — Berg- und Vorgebirgszonen im Osten, Süden und Zentrum des Kreises (um den Berg Lianhuashan, 莲花山): 27 Verwaltungsdörfer in den Großgemeinden und Gemeinden Yuantou (源头镇), Yang’an (阳安乡), Qinglong (青龙乡), Qiaoting (桥亭乡), der Yao-Gemeinde Dafa (大发瑶族乡), Pingle (平乐镇) und Ertang (二塘镇) sowie das staatliche Forstamt Guangyun (广运林场).
- Geografische Koordinaten: 110°34′–111°02′ ö. L., 24°16′–24°38′ n. Br.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung
- Geschichte:
- Tang, der Überlieferung nach. Das Baidu-Nachschlagewerk bringt das Getränk mit dem Dichter Li Shangyin in Verbindung, der 848 als Präfekt des Gebiets Zhaozhou (昭州, das heutige Pingle) amtierte, und mit seiner Zeile „小鼎煎茶面曲池“. Doch in dem Gedicht geht es um Teetrinken im Allgemeinen, nicht um dieses Blatt. Die Tributlieferung an den Hof, von der das Nachschlagewerk berichtet, ist nicht durch Dokumente belegt.
- Vor den 1970ern. Laut der „Landwirtschaftschronik des Kreises Pingle“ (1991) in der Wiedergabe von Nachschlage-Websites wurde das Getränk bei Hitze als „kühlend“ getrunken, aber grob hergestellt.
- 1974. Laut „Guilin ribao“ (2018, Nachdruck auf der Website des Landwirtschaftsministeriums) verarbeitete ein Teespezialist der Kreisgesellschaft für lokale Produkte das Blatt, nachdem er volkstümliche Erfahrung gesammelt hatte, nach der Methode 桂青茶 (guìqīng chá) und brachte als Erster „Shiya Cha“ heraus. Seit Ende der 1980er Jahre wird das Produkt verkauft.
- 2000–2011. Laut Presse wurde das Produkt 2000 auf einer Ausstellung in Chengdu als „berühmter Tee Chinas“ bezeichnet, 2004 machte es die Messe China — ASEAN zu ihrem einzigen Teegetränk, 2011 erhielt es die Goldauszeichnung „China — ASEAN“ für die beste Verbreitung der Teekultur.
- 2014. Das Landwirtschaftsministerium registrierte die landwirtschaftliche Angabe; das Baidu-Nachschlagewerk datiert den Beschluss auf den 18. November. Inhaber ist dem Nachschlagewerk zufolge das Kreiszentrum für die Verbreitung landwirtschaftlicher Techniken (平乐县农业技术推广中心).
- 2025. Mit Bekanntmachung Nr. 640 der Staatlichen Behörde für geistiges Eigentum (unterzeichnet am 16. Juli) wurde der Name als Produkt mit geografischer Angabe anerkannt, Position 1065 von 1409. Antragsteller ist die Volksregierung des Kreises Pingle.
- Kulturelle Bedeutung: Seit 2023 veranstaltet die Gemeinde Qinglong ein Pflückfest (青龙采茶节); das erste fand am 1. April 2023 im Dorf Dagang (大刚村) statt.
3. Botanische Beschreibung und Rohstoff
- Pflanze: In der Spalte „Sorte“ des Schutzdokuments steht nur 亮叶黄瑞木. Einen lateinischen Namen gibt das Dokument nicht an, und für den ähnlichen Namen 亮叶杨桐 gehen die Nachschlagewerke auseinander: Die chinesische Wikipedia gibt ihn als Adinandra nitida an, der Katalog „Species 2000 China“ führt ihn als volkstümlichen Namen der Art Adinandra glischroloma (两广杨桐). Selbst in der Wikipedia wird die Gattung bald den Teestrauchgewächsen (山茶科), bald den Pentaphylacaceae (五列木科) zugeordnet. Was genau in Pingle wächst, lässt sich anhand der gefundenen Quellen nicht feststellen.
- Pflückstandard: Den Anforderungen zufolge — eine Knospe mit zwei Blättern, nicht länger als 4 cm, Handpflückung durch Abzupfen (提手采), ohne Schuppen, Früchte und alte Zweige, in belüfteten Körben.
- Wildbestand: Die Zahlen stimmen nicht überein. Laut der „Chronik des Kreises Pingle“ von 1995 in der Wiedergabe von Nachschlage-Websites — über 20.000 Bäume, 25–30 t Frischblatt und 6–7,5 t Produkt pro Jahr; am meisten lieferte Yuantou, als bestes galt das Blatt aus Dagang. Einer Nachschlage-Website zufolge sind durch Raubbau etwa 10.000 Bäume übrig geblieben; ein Bericht des Politischen Konsultativrats des Kreises (2025) spricht von 229 hundertjährigen Wildbäumen.
- Anpflanzungen: Laut Reportagen von Xinhua und „Renmin wang“ (2023) verpflanzen Bauern wilde Pflanzen von den Felsen an den Fuß benachbarter Berge; die Anpflanzungen konzentrieren sich in Dafa, Yuantou, Qinglong und Qiaoting.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten
- Klima: Laut Baidu-Nachschlagewerk — subtropisches Monsunklima: frostfreie Periode über 310 Tage, 1414–2094 Sonnenstunden, Durchschnittstemperatur 19,9 °C, Niederschlag 1355–1865 mm pro Jahr.
- Böden: Den Anforderungen zufolge — pH 4,5–6,5, organische Substanz 2–3 %, gute Drainage; an Grenzen zu Ödland, Wald und Feldern wird geraten, isolierende Gräben zu ziehen.
- Standort: Volkstümliche Texte beschreiben Felsen und Gebirgsbäche, Kühle und Feuchtigkeit. Angaben zur Höhe gibt es in den Primärquellen nicht.
5. Herstellungstechnologie
Nach den Anforderungen an das geschützte Produkt:
- Ausbreiten des Blattes (摊青, tānqīng): Sofort nach dem Pflücken, damit Feuchtigkeit entweicht und das Blatt frisch bleibt.
- Fixierung (杀青, shāqīng): Röstung im Eisenkessel, danach wird das Blatt sofort gekühlt.
- Rollen (揉捻, róuniǎn): Von Hand, zu feinen Fäden.
- „Drei Röstungen, drei Rollungen“ (三炒三揉, sān chǎo sān róu): Das gerollte Blatt wird erneut im Kessel geröstet, und der Zyklus wird dreimal wiederholt, damit das Blatt dicht wird, die Blattstiele spröde und das Aroma rein.
- Erste Trocknung, Abkühlen, Nachtrocknung und Aromaherausführung (初干、摊凉、足火、提香).
- Verpackung.
Temperaturen und Zeiten geben die Anforderungen nicht an; die Methode 桂青茶 wird in den gefundenen Quellen nicht beschrieben.
6. Organoleptische Eigenschaften
Die Beschreibung folgt den Anforderungen an das geschützte Produkt von 2025. Das Produkt gibt es in Fadenform und granuliert.
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Fäden — groß und dicht, „sandgrün“ (沙绿), glänzend, mit einem reifartigen Belag (霜斑). Granulate — dicht, schwer, glatt, dunkelgrün.
- Aroma des trockenen Blattes: Die Anforderungen nennen das Aroma kräftig und anhaltend (香气浓郁持久), ohne zu präzisieren, ob des trockenen Blattes oder des Aufgusses.
- Aroma des Aufgusses: Kräftig und anhaltend — nach derselben Formel.
- Geschmack: Voll, weich und süß, mit deutlichem süßem Nachhall (滋味浓醇甘甜,回甘明显). Laut „Guilin ribao“ — „zuerst herb, dann süß“.
- Farbe des Aufgusses: Gelbgrün und klar (汤色黄绿明亮).
- Teegrund (aufgegossenes Blatt): Knospen und Blätter ganz und leuchtend (叶底芽叶完整明亮).
7. Chemische Zusammensetzung
Anforderungen an das Trockenprodukt: Gesamtflavonoide nicht unter 6,0 %, lösliche Zucker nicht unter 1,5 %. „Guilin ribao“ (2018) führt unter Berufung auf Botaniker der Sun-Yat-sen-Universität für den Wildrohstoff Flavonoide 20 %, „Teepolyphenole“ 23,4 % und Aminosäuren 9,73 % an, ohne Methode und Stichprobe. Angaben zu Koffein gibt es in den gefundenen Quellen nicht.
8. Gesundheitliche Eigenschaften
Geprüfte Daten zur Wirkung gerade dieses Produkts liegen nicht vor. Werbliche Wirkungslisten werden hier nicht wiedergegeben.
9. Zubereitung
Praxis der Klasse. Zubereitungsangaben für Pingle Shiya Cha gibt es in den gefundenen Quellen nicht; unten stehen übliche Parameter für Kräuteraufgüsse aus gerolltem Blatt.
- Wassertemperatur: 90–100 °C.
- Menge: 2–3 g auf 150–200 ml.
- Gefäß: Glasbecher, Gaiwan oder Porzellankanne.
- Ablauf: Erster Aufguss — 2–3 Minuten, danach mehrere Aufgüsse mit Verlängerung.
10. Lagerung
Praxis der Klasse. In dichter Verpackung, an trockenem, dunklem Ort, fern von Gerüchen. Der Belag auf den Fäden ist eine Eigenschaft des Produkts, kein Schimmel.
11. Preis und Fälschungen
Einzelhandelspreise gibt es in den gefundenen Quellen nicht. Der Umfang beträgt laut „Guangxi zhengxie bao“ (2025) über 8000 mu Anbaufläche, über 300 t und über 40 Mio. Yuan pro Jahr. Andere Publikationen nennen andere Zahlen: „Guilin ribao“ (2018) — etwa 10.000 mu und etwa 2000 t im Kreis; Reportagen über das erste Pflückfest (2023) — 6000 mu Anpflanzungen, „die wilde imitieren“, und über 120 t Trockenblatt pro Jahr. Die Zahlen stimmen untereinander nicht überein.
- So vermeidet man Fälschungen:
- Shiya Cha wird dem Baidu-Nachschlagewerk zufolge auch in anderen Kreisen Guangxis hergestellt — Pingnan, Mengshan, Guiping, Jinxiu und weiteren; der Name 平乐石崖茶 bezieht sich nur auf Rohstoff aus dem Schutzgebiet. Auf das Zeichen für Produkt mit geografischer Angabe achten.
- Fäden „sandgrün“ mit Belag oder dunkelgrüne glatte Granulate; Aufguss gelbgrün.
- Ein Verkäufer, der das Produkt als Oolong oder als Tee von alten Teebäumen bezeichnet, weicht vom Schutzdokument ab.
12. Interessante Fakten
- Der Name beschreibt den Ort: 石崖 — „Felsabhang“.
- Die Methode der „drei Röstungen und drei Rollungen“ steht wörtlich im Schutzdokument.
- Für den Namen 亮叶杨桐 geben Nachschlagewerke unterschiedliche wissenschaftliche Namen an — Adinandra nitida oder Adinandra glischroloma.
13. Vergleich mit anderen Aufgüssen aus Nicht-Teepflanzen
- Kuding (苦丁茶): Bitterer Aufguss aus Stechpalmen- oder Ligusterblättern, wird ebenfalls in Guangxi hergestellt; Shiya Cha wird in den Beschreibungen als süß bezeichnet.
- Yongshun Meicha (永顺莓茶): Hunaner Aufguss aus einer Liane, ebenfalls mit Belag auf dem Blatt und einer Flavonoidnorm.
- Xupu Yaocha (溆浦瑶茶): Hunaner „süßer Tee“ aus Blättern eines Baumes der Buchengewächse, ebenfalls Produkt mit geografischer Angabe.
Zum Abschluss:
Pingle Shiya Cha ist das Blatt eines wilden und verpflanzten Baumes der Gattung Adinandra, das die Dörfer Guilins dreimal rösten und rollen. Das Schutzdokument beschreibt es ausführlich — Gebiet, Pflückung, „sandgrüne“ Fäden mit Belag, gelbgrünen süßen Aufguss und eine Flavonoidnorm —, macht es aber nicht zum Tee: Es ist ein Aufguss aus der Welt der südlichen „Tees“, in der das Wort 茶 „das, was man aufgießt“ bedeutet.