Hengxian Moli Hua Cha (Héngxiàn mòlìhuā chá, 横县茉莉花茶) — ein Jasmintee aus der kreisfreien Stadt Hengzhou (横州市, bis 2021 Kreis Hengxian) der Stadt Nanning, Autonomes Gebiet Guangxi der Zhuang. Hengzhou ist das größte Jasminanbaugebiet Chinas, und von hier wurde Jasmin in andere Regionen des Landes geliefert. Die grüne Teebasis wird hier mehrfach mit lebenden Blüten aromatisiert, die sich nachts öffnen. Die Bezeichnung gehört zu den ersten hundert chinesischen geografischen Angaben, die von der Europäischen Union geschützt wurden.
1. Klassifikation und Herkunft
- Typ: Mit Blüten aromatisierter Tee (花茶, huāchá): eine Teebasis, die mit frischem Jasmin aromatisiert wird. Die Basis ist grüner Tee: Laut der Beschreibung des Archivamts von Guangxi bewahrt der Hengzhouer Jasmintee den kräftigen, erfrischenden Charakter des grünen Tees.
- Kategorie: Jasmintee aus Guangxi; Herkunftszeichen (2006); geografische Angabe Chinas, geschützt in der EU gemäß dem Abkommen China–EU.
- Herkunft: China, Autonomes Gebiet Guangxi der Zhuang (广西壮族自治区, Guǎngxī Zhuàngzú Zìzhìqū), Stadt Nanning (南宁, Nánníng), kreisfreie Stadt Hengzhou (横州市, Héngzhōu Shì).
- Gebiet: Ein Überblick des Handelsministeriums nennt Hengzhou; dies ist eine Beschreibung des Territoriums und keine rechtliche Grenze.
- Geografische Koordinaten: Etwa 22,7° n. Br. und 109,3° ö. L.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung
- Geschichte:
- Ming — Jasmin in Hecken. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums notierte der Beamte der Region Hengzhou, Wang Ji (王济), 1521 im Buch „Junzitang rixun shoujing“ (君子堂日询手镜): „Jasmin wächst überall, manche flechten daraus Hecken, er blüht das ganze Jahr über.“ Nach Angaben des Archivs von Guangxi wurde Jasmin hier lange vor allem zur Zierde angebaut, und die Ernte war gering.
- 1959 — Setzlinge für die Fabrik. Nach Angaben der Agentur Xinhua bestellte ein junger Mitarbeiter der Kreisteefabrik 1959 aus Guangdong zwei Bündel Jasminsetzlinge; sie wurden per Boot gebracht und auf einer Brachfläche bei der Fabrik gepflanzt.
- Ende der 1970er — 1980er. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurde Jasmin ab dem Ende der 1970er Jahre als landwirtschaftliche Kultur angebaut. Nach Angaben des Archivs verteilte die Fabrik Anfang der 1980er Jahre Setzlinge kostenlos an Bauern, schickte Techniker und schloss langfristige Abnahmeverträge zu festen Preisen ab. Ab 1984 kooperierte die Fabrik mit der Suzhouer Teefabrik, einem großen Hersteller von Blütentee: Man vereinbarte die Verarbeitung von Rohmaterial des Auftraggebers und technische Zusammenarbeit, und Suzhou schickte bekannte Meister der Blütenteeverarbeitung.
- 1989 — Wendepunkt. Im Juli 1989 veranstaltete das Handelsministerium in der Kreisfabrik eine landesweite Konferenz über Produktion und Vertrieb von Blütentees. Nach Angaben von Xinhua lag das Zentrum des Jasmintees zuvor in Fujian, Jiangsu und Zhejiang; nach der Konferenz verlagerte es sich allmählich nach Hengxian.
- 2000. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums verliehen die Staatliche Forstverwaltung und der Chinesische Blumenbauverband dem Kreis den Titel „Heimat des Jasmins Chinas“ (中国茉莉之乡). In anderen Materialien wird als Jahr der Verleihung 2006 genannt; die Abweichung habe ich nicht aufgeklärt.
- 2006. Im Juli stellte die AQSIQ den Jasmin des Kreises selbst als Produkt mit geografischer Angabe unter Schutz — „横县茉莉花“. Im selben Jahr erhielt „横县茉莉花茶“ von der Staatlichen Verwaltung für Industrie und Handel ein Ursprungszeichen.
- 2012. Die Herstellungstechnik des Hengxianer Jasmintees wurde in die vierte Liste des immateriellen Erbes von Guangxi aufgenommen.
- 2014 und später — Europa. 2014 wurde der Hengxianer Jasmin als erster in Guangxi für den Schutz in Europa empfohlen. Gemäß dem Abkommen China–EU wurde „横县茉莉花茶“ in die ersten hundert chinesischen Bezeichnungen aufgenommen, die in der Europäischen Union geschützt sind.
- Name:
- „Hengxian“ (横县) — der frühere Name des Kreises, der in der Bezeichnung erhalten blieb.
- „Moli Hua Cha“ (茉莉花茶, mòlìhuā chá) — „Tee mit Jasminblüten“.
- Kulturelle Bedeutung: Für Hengzhou ist Jasmin eine Visitenkarte: der Titel „Heimat des Jasmins Chinas“, der Schutz sowohl der Blüte als auch des Tees als lokale Bezeichnungen, das Handwerk der Aromatisierung in der Liste des immateriellen Erbes von Guangxi.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial
- Aromapflanze: Jasminum sambac (Jasminum sambac). Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zeichnet sich der Hengxianer Jasmin durch große Knospen und lange Blüte aus; nach Angaben von Xinhua dauert die Blüte bis zu einem halben Jahr. Die Sorte wird in den gefundenen Quellen nicht genannt.
- Teebasis: Grüner Tee. Welche Basen die Bezeichnung genau zulässt, wird in den gefundenen Quellen nicht gesagt.
- Blütenernte: Saison von April bis Oktober. Nach Angaben von Xinhua werden große, bereits weiß gewordene, aber noch nicht geöffnete Knospen gesammelt, tagsüber — etwa von neun Uhr morgens bis drei oder vier Uhr nachmittags; je heißer und sonniger der Tag, desto besser die Blüte.
- Anforderungen an das Rohmaterial: Die Knospen werden vor dem Öffnen gepflückt: Jasmin öffnet sich nachts, und noch am selben Abend, wenn die Blüten sich zu öffnen beginnen, werden sie zur Aromatisierung verwendet.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten
- Region: Nach Angaben von Xinhua liegt Hengzhou südlich des nördlichen Wendekreises.
- Klima: Nach Angaben von Xinhua typisches subtropisches Monsunklima: viel Regen, Licht und Wärme. Jasmin ist wärmeliebend und kälteempfindlich, daher passt das hiesige Klima zu ihm.
- Böden: In derselben Beschreibung — fruchtbar, mit mächtiger Schicht. Der genaue Bodentyp wird in den gefundenen Quellen nicht genannt.
- Höhenlagen: In den gefundenen Quellen keine Angaben.
5. Herstellungstechnologie
Der zentrale Vorgang ist die Aromatisierung (窨制 — xūnzhì): Die Teebasis nimmt das Aroma der sich öffnenden Blüten auf. Nach der Beschreibung des Archivs von Guangxi umfasst die Hengzhouer Technologie folgende Arbeitsschritte:
- Mischen der Blüten mit der Teebasis (窨花拼和 — xūnhuā pīnhé) und Aromatisierung im Haufen (堆窨 — duīxūn).
- Lüften (通花 — tōnghuā) und erneutes Zusammenhäufen (收堆 — shōuduī).
- Abtrennen der Blüten (起花 — qǐhuā), Trocknen (烘焙 — hōngbèi) und Abkühlen.
- Nächster Zyklus (转窨 — zhuǎnxūn) und finale Aromatisierung (提花 — tíhuā).
- Vergleichmäßigen der Partie (匀堆 — yúnduī) und Verpacken.
Nach Angaben von Xinhua werden die Knospen vor dem Mischen „gepflegt“ (养花 — yǎnghuā) und gesiebt (筛花 — shāihuā). Die Aromatisierung dauert die ganze Nacht; bei höheren Sorten wird der Zyklus mehrfach wiederholt, und je mehr Zyklen, desto dichter das Aroma. Nicht jede Nacht ist für die Arbeit geeignet, und bei schlechtem Wetter wartet man. Zahlenangaben — Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zeit — finden sich in den gefundenen Quellen nicht.
6. Organoleptische Eigenschaften
Beschreibungen des Erscheinungsbildes in den Schutzdokumenten finden sich in den gefundenen Quellen nicht. Aroma und Geschmack unten — nach der Beschreibung des Archivs von Guangxi.
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: In den gefundenen Quellen keine Beschreibungen.
- Aroma des trockenen Blattes: In den gefundenen Quellen keine Beschreibungen.
- Aroma des Aufgusses: Frisches, lebendiges Jasminaroma (鲜灵香味).
- Geschmack: Kräftig und erfrischend (浓郁爽口), wie bei der grünen Basis.
- Farbe des Aufgusses: In den gefundenen Quellen keine Beschreibungen.
- Teegrund (aufgegossenes Blatt): In den gefundenen Quellen keine Beschreibungen.
7. Chemische Zusammensetzung
Angaben speziell zum Hengxianer Tee finden sich in den gefundenen Quellen nicht.
8. Zubereitung
Klassenübliche Praxis für Jasmintee auf grüner Basis.
- Wassertemperatur: 85–90 °C.
- Teemenge: 3 g auf 150 ml.
- Gefäß: Gaiwan mit Deckel, der das Aroma hält, oder Porzellankanne.
- Ablauf:
- Gefäß vorwärmen.
- Tee einfüllen.
- Mit Wasser übergießen und sofort abdecken.
- Erster Aufguss — 1–2 Minuten im Gaiwan.
- Vor dem Trinken den Deckel heben und das Aroma einatmen.
- Zwei bis drei weitere Aufgüsse.
9. Lagerung
Klassenübliche Praxis. In luftdichter Verpackung, an einem trockenen, kühlen, dunklen Ort, strikt ohne Fremdgerüche: Die Teebasis, die Jasmin aufgenommen hat, nimmt ebenso leicht fremde Gerüche auf. Jasmintee am besten innerhalb eines Jahres trinken.
10. Preis und Fälschungen
Angaben zu Preisen finden sich in den gefundenen Quellen nicht. Höhere Sorten durchlaufen mehr Aromatisierungszyklen.
- So vermeidet man Fälschungen:
- Auf die Herkunft aus Hengzhou und das Zeichen der geografischen Angabe achten.
- Echtes Jasminaroma stammt aus der Aromatisierung mit lebenden Blüten; ein stechender, „parfümartiger“, schnell verfliegender Geruch ist ein Grund zur Vorsicht.
- Getrocknete Blüten in der Packung beweisen keine Qualität: Nach der Aromatisierung werden die Blüten abgetrennt (起花), daher sagt ihre Menge nichts über die Stärke des Aromas aus.
11. Interessante Fakten
- Die große Jasminwirtschaft des Kreises wuchs aus zwei Bündeln Setzlingen, die 1959 an der Teefabrik gepflanzt wurden.
- Die Knospen werden tagsüber in der größten Hitze gesammelt, und die Aromatisierung findet nachts statt, wenn sich die Blüten öffnen.
- Das Handwerk der Aromatisierung lernte der Kreis auch von Suzhouer Meistern: Ab 1984 schickte die Suzhouer Teefabrik diese zur technischen Unterstützung.
- 2006 erhielten sowohl die Blüte als auch der Tee Schutz: Jasmin als Produkt mit geografischer Angabe, Tee als Ursprungszeichen.
12. Vergleich mit anderen Jasmintees
- Fuzhou Moli Hua Cha (福州茉莉花茶): Historisches Zentrum des Jasmintees; bis Ende der 1980er Jahre lag das Zentrum der Branche in Fujian, Jiangsu und Zhejiang, danach verlagerte es sich nach Hengxian.
- Yuanjiang Moli Hua Cha (元江茉莉花茶): Yunnaner Jasmin mit der frühesten Saison; nach Branchenbeschreibungen wurden die Sträucher dorthin aus Hengxian gebracht.
- Moli Longzhu (茉莉龙珠): Form des Jasmintees — gerollte Kugeln; sie wird sowohl in Fujian als auch in Guangxi hergestellt.
Zum Schluss:
Hengxian Moli Hua Cha ist ein Tee aus der bedeutendsten Jasminregion Chinas. Der Weg des Kreises führt von Hecken aus Jasmin in der Ming-Zeit und zwei Bündeln Setzlingen an der Fabrik im Jahr 1959 bis zur Konferenz von 1989, nach der sich das Zentrum der Branche hierher verlagerte. Das Handwerk ist dabei dasselbe geblieben: Tagsüber gesammelte Knospen öffnen sich nachts über der grünen Teebasis, und der Zyklus wiederholt sich, bis das Aroma dicht wird.
Quellen
Geografische Angabe
Vollständige Liste — auf der Seite „Quellen“